Judo spielend lernen

Und was machen wir jetzt mit den Kindern, die mit fünf Jahren zu uns in den Verein kommen?“, war die Frage, die nach Einführung der Fortschreibung der Prüfungsordnung vielfach zu hören war. Wie kann man die Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter motivieren, wenn doch die erste Gürtelprüfung erst mit dem vollendeten siebten Lebensjahr absolviert werden darf.

Die beste Motivation ist sicherlich ein altersgemäßes Bewegungsangebot, bei dem die Kinder erfahren können, das Rangeln nach Regeln Spaß macht, bei dem viel gespielt und ausprobiert werden darf und bei dem man mit einem Freund und Partner in einer Gruppe zusammen ist.

Das neu geschaffene Programm „Judo spielend lernen“, das von einer Arbeitsgruppe aus (Kinder-)Trainern und Sportwissenschaftlern entwickelt wurde, soll

 

  1. dem immer stärker zu beobachtenden Leistungsrückgang bei Kindern entgegenwirken und die kindliche Bewegungsfreude altersangemessen fördern,
  2. die motorische und koordinative Leistungsfähigkeit von Kindern gezielt aufbauen helfen,
  3. Kinder dazu anregen, sich mit ihrem eigenen Bewegen und mit ihrem Körper auseinander zu setzen, dessen Leistungsfähigkeit zu erfahren und dadurch mehr Selbstwertgefühl und eine positive Körpereinstellung erlangen und
  4. Soziale Kompetenzen durch das Eingehen auf einen Partner und die Übungsgruppe (Kooperation) und die Auseinandersetzung mit einem Partner und der Übungsgruppe (Konfrontation) fördern.

Die Kinder erhalten einen Kinderpass, der wie ein Stickerbuch angelegt ist. Er hat gleichzeitig auch die Funktion einer Prüfungskarte und dokumentiert den Leistungsfortschritt des Kindes. Je nach Könnensstand klebt der Übungsleiter einen der insgesamt 32 Sticker zu den Bewegungsfeldern „Bewegen ohne einen Partner“, „Kooperatives Bewegen“, „Judotechnik“ und „Judowerte“ in den Pass. Für jeweils acht Sticker erhalten die Kinder ein Abzeichen, das sich die Kinder auf die Judojacke nähen lassen können, so dass auch nach außen der Lernfortschritt sichtbar gemacht wird. Wichtig ist die Gleichwertigkeit von allgemeiner motorischer, judotechnischer und sozialer Entwicklung, die durch die Stickervergabe zum Ausdruck gebracht wird, was dem pädagogischen Ideal Kanos entspricht.

„Judo spielend lernen“ führt spielerisch zu Judo hin und endet mit dem weiß-gelben Gürtel, der bei geschickter Vergabe der Sticker mit dem siebten Lebensjahr vergeben werden sollte. Dennoch ist die Übungssammlung und auch das übrige Material nicht auf diese Altersgruppe beschränkt zu sehen, sondern sicherlich für alle Kinder im Grundschulalter einsetzbar.